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Sonntag, Mai 12

Über vier Berge ins Paradies!

Vor etwas mehr als einer Woche, genauer gesagt am 3. Mai 2019 (dem Dreinagelfreitag), verließen Kreuzträger kurz vor 01:00 Uhr früh die Kirche am Magdalensberg (1.059 HM) um betend und schnellen Schritten talwärts zu gehen. Dahinter eine Menschenschlange die den starken Männern mit den schweren Kreuzen nacheilten und ebenfalls betend nach unten gehen. Man sah ein Meer an Stirnlampen flackern und hörte das Klappern der Wanderstöcke. Dazwischen Menschen die den Kreuzträgern nachbeteten und leises Murmeln

Aber warum machen sich tausende Menschen um diese Zeit auf den Weg?
Und was das das mit dem Paradies zu tun?
Vier-Berge-Lauf, heißt das Zauberwort!
Die Überlieferung sagt, der Vierbergelauf ist eine Wallfahrt über den Magdalensberg, Ulrichsberg, Veitsberg und Lorenziberg die niemand organisiert und dennoch seit etwa 500 Jahren stattfindet. Jedes Jahr am zweiten Freitag nach Ostern, dem sogenannten Dreinagelfreitag, pilgern Tausende Wallfahrer die etwa 50 Kilometer lange Strecke, auf der es ca. 2000 Höhenmeter zu überwinden gilt. Während des Vierbergelaufes werden fünf Messen und drei Andachten gefeiert. Laut einer Überlieferung kommt ins Paradies, wer den Weg über die Vier Berge dreimal hinter sich bringt.

Mein Start erfolgte natürlich schon etwas früher: Mein Pilgerstab zeigte mit der 14. Kerbe die aktuelle Anzahl meiner Teilnahmen, als ich bereits am Donnerstag gegen 22:30 Uhr mit dem "Tochter-Hund" Carli zu einem der vielen Sonderbusse aufbrach, der (nicht nur) mich auf den Ausgangsort, dem Magdalensberg brachte. Obwohl der eigentliche Marsch erst nach der Mitternachtsmesse beginnt, gibt es immer mehr Menschen die schon Stunden zuvor aufbrechen. Für mich unverständlich, da es ja wesentlich reizvoller ist, den Großteil des Weges bei Tageslicht zu gehen. Egal, jeder wie er will!

Es geht schnellen Schrittes den Berg hinab. Neben den Beten hört man noch gedämpftes Murmeln. Beim Gasthof Fleißner die ersten Pausen. Ich verdrücke ein Brot, meine Begleiterin Carli das erste Leckerli. Dann geht's über das Zollfeld weiter Richtung Pörtschach am Berg, wo die nächste Messe zelebriert wird, der ich kurz beiwohne.

Danach geht es erstmals steil hinauf zum Ulrichsberg (1.022 HM. Für mich so ziemlich der schwierigste Teil der Strecke. Steilere Abkürzungen und weitläufige Wege wechseln einander ab. Die Morgendämmerung beginnt als ich am Gipfel ankomme. Hündin Carli und ich haben eine Pause verdient. Die Aussicht nach Klagenfurt wird genossen und ein Teil der Wäsche gewechselt, ehe es nach unten geht. Denn um 07:00 Uhr gibt es einen Fixpunkt, die Bischofsmesse. Eine sehr stimmige Messe, die von der Militärkapelle musikalisch untermalt wird und an der hunderte Pilger teilnehmen.

Ein wenig weiter in Zweikirchen werden die Kreuzträger vom örtlichen Pfarrer in Empfang genommen und man sieht man die ersten Kinder, die auf die Zuckerln warten, die die Pilger verteilen. Die Körbe füllen sich. "Carli" ist schon ziemlich durstig. Die Feuerwehr Zweikirchen ist mein Retter und meine treue Begleiterin wird bestens versorgt! Vielen Dank!
Nun geht es einigermaßen eben weiter über das Glantal hin nach St. Leonhard. Ein wichtiger Fixpunkt, was die Stärkung für Mensch und Tier betrifft. Denn die Firma Wech verschenkt hier jährlich köstliche Leberkässemmeln und die Hirter Brauerei Bier oder Radler. Carli freut sich noch mehr, denn für sie gibts eine gesunde Hundejause von Wech, die - wie üblich - der Geschäftsführer Bernd Bodner, selbst verteilt! Aus mit der Gemütlichkeit, jetzt geht es wieder nach oben, die Ortschaft Limberg im Visier.

Kaum jemand der nicht die große Wiese für eine kurze Rast nutzt, ehe das nächste Steilstück in Angriff genommen wird, der berüchtigte Veitsberg (1.171 HM)! Es geht zeitweise recht steil nach oben. Leichtes Regenniseln hat angesetzt. Neben mir höre ich eine junge Frau fluchend sagen "hört denn der Sch...berg nie auf?". Doch, denn wenn man das Läuten des Kirchenglöckleins hört ist man dem Gipfel sehr nahe. Die Pilger umkreisen hier die Kirche drei Mal, ehe sie am Glockenstrang ziehen und dabei ihre Wünsche zum Himmel schicken.

Blöderweise geht es nun den Veitsberg hinab sehr weit nach unten in den Talboden, auch "Hölle" genannt, ehe wir Wanderer wieder viele Höhenmeter nach oben gehen, nach Gradenegg! Unterwegs versorgen Bauern die Pilger mit Kuchen, Reindling und Getränken. Fröhliche Stimmung bei den Pilgern. Das sind die allseits beliebten Feinheiten der Vierberge-Wallfahrt! Sörg ist in Sicht, dazwischen aber leider eine Talsenke. Der Weg vom Veitsberg zum letzten Gipfel ist also geprägt von einem ständigen Auf und Ab, welches sehr anstrengend sein kann. Schon deshalb, weil man an diesem Teil der Strecke doch schon etliche Kilometer in den Beinen hat!

Der letzte Abschnitt beginnt. Immer mehr Labestationen liegen an der Strecke und immer mehr Menschen bleiben an der einen oder anderen Station hängen. Es wird musiziert, die Stimmung wird lockerer, das Ziel naht! Trotzdem, der Weg zum Lorenziberg (971 HM) zieht sich! Es ist ca. 14:30 als ich am St. Veiter Hausberg eintreffe, wo schon hunderte Menschen den Gasthof belagern. Man sieht müde Menschen, die aber ihren Stolz zeigen, eine sehr schwierige Wanderung geschafft zu haben. 

Viele warten noch bis die Kreuzträger eintreffen, um dann gegen 16:30 Uhr die letzte Messe zu feiern bei der fast alle beim Lied "Großer Gott wir loben dich" mitsingen. Carli und ich genießen den Moment, verzehren die Reste unserer Verpflegung und gehen die letzten Kilometer nach Nußberg, dem Fuß des Lorenziberges, wo meine Frau bereits auf uns wartet! Zu Hause gibt es ein warmes Entspannungsbad und für meine treue Begleiterin ein Leckerli! Nächstes Jahr sind wir gerne wieder dabei!

Fazit:
Was immer der Grund ist an dieser (sehr empfehlenswerten) Wallfahrt teilzunehmen, man soll versuchen nahe der Kreuzträger mitzugehen, egal ob man dem christlichen Glauben huldigt oder nicht. Der angenehme "Nebeneffekt" ist, dass man mehr davon hat, den großteil des Weges bei Tageslicht zu gehen, die herrliche Landschaft bewusst einzufangen und die "g'standenen Vierbergler" zu erleben. Natürlich ist es auch spannend, die vielen anderen Menschen wahrzunehmen, denen man begegnet. Obwohl ich (abgesehen davon, dass mich die Hündin Carli begleitet) stets alleine unterwegs bin, freue ich mich immer wieder mit Gleichgesinnten ins Gespräch zu kommen und Teile der Strecke mit ihnen zu gehen.
Trotz der körperlichen Anstrengung ist die Erholung für den Kopf enorm, gelingt mir doch stets komplett abzuschalten und mich nur auf den Moment zu konzentrieren. Wer den Weg in Hast und Eile bestreiten und als erster im Ziel sein will (Wahnsinnige waren bereits um 09:00 Uhr am Lorenziberg) ist hier bei der falschen Veranstaltung.

Meine Fotoserie zum Vier-Berge-Lauf (klick aufs Foto um mehr zu sehen)
Meine Streckenaufzeichnung zum Vier-Berge-Lauf 
(klick rechts auf Vier-Berge-Lauf um mehr zu erfahren)

Sonntag, April 10

That's the way, aha, aha I like it!

Die Überschrift habe ich diesmal einem alten Songtitel entnommen (K.C. & The Sunshine Band), dessen Inhalt natürlich nix mit der nachfolgenden Story zu tun hat, allerdings mit dem Umstand, den Weg über die vier Berge, den Vier-Berge-Lauf also, den mag ich! Obwohl, die letzten Jahre, das war nix! Meine im Blog mehrmals beschriebene Krankheit ließ mich einige Jahre hintereinander nicht starten bzw. ausfallen, wenn ich es doch versuchte. Mehr als zehn bis fünfzehn Kilometer am Stück ging einfach nicht! Und mit Gewalt schon gar nicht! Diesmal sollte alles besser werden ...!

Erstmals hatte ich "Carli" dabei, die Labradorhündin meiner älteren Tochter. Als notorischer "Einzelgänger" ist das recht praktisch, weil ich in Begleitung, aber trotzdem in meinem Wunschtempo unterwegs bin. Ich freue mich aber trotzdem, wenn sich zwischendurch Gespräche mit Freunden ergeben, auf die man hin und wieder trifft, so auch diesmal! Bis es so weit ist, muss man aber zum Magdalensberg hinauf. Geschieht das üblicherweise mit einem der Zubringerbusse, so war meine Frau diesmal so freundlich, mich zu später Stunde auf den Berg zu führen! Oben angekommen fiel sogleich auf, dass scheinbar die "Schönwetter-Pilger" fehlten und so auch mindestens die Hälfte der Wanderer!

Eine Strecke, die's in sich hat!
Nach der Mitternachtsmesse begann also das Abenteuer "Vier-Berge-Lauf", in dessen Verlauf man eine ca. 50 Kilometer lange Strecke und an die 1.500 Höhenmeter bewältigt, mit dem Abstieg ins Tal, Es ging zügig dahin. Die Temperaturen waren angenehm, doch das sollte sich später ändern ...! Kurze Pause beim Fleißner und die erste kleine Stärkung für Hund und Mensch. Dann über den Glantalboden hin nach Pörtschach am Berg und kleinem Fitnesscheck: Kann ich diesmal weitergehen, weil jetzt doch eine relativ schwere Etappe wartet? Ich kann und beginne mit dem Aufstieg zum Ulrichsberg! Der Berg allgemein ist schwer, speziell der letzte Teil ist im Alleingang schon eine ziemliche Herausforderung, mit Hund an der Leine aber eine ganz besondere. Oben angekommen waren Pause, Stärkung und Wäschewechsel angesagt.

Wenn's steil hinauf geht, dann geht es auch steil hinunter und meine dauerhaften Schmerzen im Bereich der Ferse machten sich bemerkbar. Ich wurde aber bald davon abgelenkt, weil ich Günther, den Mann einer ehemaligen Arbeitskollegin im Bereich der Bischofsmesse traf. Hier verweilten wir ein wenig, um danach ein gutes Stück gemeinsam zu gehen. Bis hin nach St. Leonhard, wo die Firma Wech seit Jahren eine kräftige Jause spendiert. Ganz besonders neugierig machte mich allerdings die Hundejause, Carli natürlich noch mehr. Der Chef persönlich versorgte sie dann mit feinen Köstlichkeiten, wie Jausenbox und Jausenchips!

Die nächsten Kilometer zählen zu den schwierigsten, Höhenkilometer sammeln ist angesagt. Zuerst einmal der Anstieg von Leonhard bis Liemberg, wo es auf der großen Wiese eine Rast inklusive Stärkung gibt. Es sollte die letzte für heute sein, denn bedrohliche Wolken kommen immer näher. Wir steigen zum Veitsberg auf. Kurz bevor wir ganz oben sind ist es so weit, der Regen beginnt und sollte den Rest des Tages nicht mehr aufhören. Den Pilgerweg beenden, oder nicht, die Frage stellt sich am vorletzten Berg nicht mehr! Daher hin zum Kirchlein, welches dreimal umrundet wird, um im Inneren den Glockenstrick zu ziehen, in der Hoffnung, dass danach ein (geheimer) Wunsch in Erfüllung geht.

Die letzte Etappe bin ich - Wetter bedingt - etwas zügiger unterwegs, denn es wird kälter, ungemütlicher und - vor allem - dreckiger. Meine Hündin sieht fürchterlich aus und wirkt auch schon merklich ruhiger! Bald bemerke ich, dass ich meinen Regenschutz zerrissen und das "Berglerlaub" von meinem Stock verloren habe! Völlig durchnässt geht es also weiter nach Gradenegg und Sörg, die letzten Kilometer ab Fachau erscheinen endlos (das ist aber immer so). Erfreulich aber, leises Glockengeläut ist wahrzunehmen. Das Ziel wird greif- aber nicht sichtbarer, denn die sonst wunderschöne Landschaft hüllt sich in tiefes grau. Schemenhaft taucht dann aber doch der Lorenziberg auf - wir sind da!

Resume:
Es war nicht ganz sicher ob ich es schaffe, da sich meine Schmerzen beim Gehen (ewiges auf und ab) stärker als beim Laufen bemerkbar machen. Es war aber ein sehnlicher Wunsch wieder einmal dabei zu sein, den ich mir nun erfüllen konnte. Eine völlig neue Erfahrung war den 4BL in Begleitung eines Vierbeiners zu gehen. Das war und ist nicht immer leicht, speziell bei schwierigen Passagen. Bedingt dadurch, dass Carli überdurchschnittlich folgsam ist war es in Summe aber ein Vergnügen! Es war beeindruckend und hat sich mehr als gelohnt - tiefe Dankbarkeit erfüllt mich!


20160408_Vierbergelauf

22 new photos · Album by Reinhard Huber

Freitag, April 17

Einer der auszog um die vier Berge zu erobern!

Am Tag der Kreuzesnägel Christi laufen viele Kärntner Frauen mit bloßen Füßen in einem Tag über vier Berge. Diese Frauen stammen aus der Stadt St. Veit und der Umgebung des Helenenberges (heute Magdalensberg), des Ulrichsberges, des Veitsberges und des Lorenziberges ... und sie laufen schweigend und glauben, so alles erlangen zu können, was sie erbitten und es handelt sich um eine große Entfernung." So schrieb der Wiener Humanist Ladislaus Sunthaim im Jahr 1500 über diesen Jahrhunderte alten Brauch!

Nach wie vor begeben sich in Mittelkärnten tausende Pilger am zweiten Freitag nach Ostern (heuer der 17. April 2015) auf den Weg zum traditionellen Vier-Berge-Lauf. Dabei erstürmen die Wanderer die vier Berggipfel, ca. 50 Kilometer und 2.500 Höhenmeter in etwa 16 Stunden. Beginnend ab Mitternacht (viele schon wesentlich früher) zieht die Karawane, unter teils unwirtlichen Bedingungen, bei Regen, Schnee und praller Sonne in einem ewigen Auf und Ab dahin. So unterschiedlich wie die Menschen, sind auch die Gründe warum die Pilger diese Strapazen auf sich nehmen. Glaube, Hoffnung, körperliche Ertüchtigung, oder das Wissen nach dreimaliger Begehung ganz sicher in den Himmel zu kommen?

Erfreulich die unzähligen "Wiederholungstäter"! Solche die jedes Jahr und bei jedem Wetter die Wanderschuhe anziehen, aber auch jene die in unregelmäßigen Abständen dabei sind. Wie eben ich, der sehr spät die Liebe zum "Vier-Berge-Lauf" entdeckt hat und die Teilnahme eher von Lust, Laune und Stimmung abhängig macht. Der zu jenen gehört, die gerne gerne alleine gehen, andächtig, in sich gekehrt! Heuer übrigens das zwölfte Mal, doch diesmal war alles anders ...!

Erstmals begann ich den Pilgerweg in Begleitung, nämlich mit "Cali", der Labradorhündin meiner älteren Tochter. Doch da ahnte ich noch nicht, dass noch etwas anders sein wird als sonst ...!

Mit Cali kurz vor dem Abmarsch
Cali erwies sich als eine perfekte Partnerin. Sie überstand gleich zu Beginn geduldig die übermäßig lange Fahrt im vollgestopften Bus, aber auch die Wartezeit am Magdalensberg bis zum Ende der heiligen Messe, verbunden mit einem stürmischen Wind. Dann endlich öffneten sich die Türen der Kirche und im schnellen Schritt ging mit den Sternträgern talwärts. Der ganze Weg eine durchgehende Lichterkette. Nicht von Kerzen, wie früher, sondern aus LED-Taschenlampen. Man geht ja mit der Zeit!
Und Cali? Die trabt stets brav an meiner Seite, schaute regelmäßig zu mir hoch um sich zu orientieren bzw. mögliche Befehle abzuholen (oder gar feine Leckerlis?). Alles bestens und ich freute mich wirklich den langen Weg mit ihr gehen zu können.

Zu früh gefreut, denn recht bald nach dem Gasthaus Fleißner kamen die Schmerzen - mein Rheuma machte sich bemerkbar! Und der Bereich der Achillessehne im rechten Fuß ganz besonders. Rheumaschmerzen bin ich zwangsläufig gewohnt, denn sie kommen und gehen. Immer wieder! Wenn sie sich allerdings - wie diesmal - in den Beinen bemerkbar machen ist das mehr als unangenehm. Denn die Wanderung ist unter normalen Umständen schon schwer genug! So wurde mein Gang immer schwerer, die Schmerzen stärker. Schweren Herzens beschloss ich daher nach nur 14 Kilometern in Pörtschach am Berg die Wallfahrt abzubrechen. Das Taxi brachte uns nach Hause und beendete ein ursprünglich besonderes und unvergessliches Erlebnis anders als erwartet!

Ob ich wieder einmal gehen werde?
Ehrlich, ich weiß es nicht ....!

Noch ein paar Links zum Vier-Berge-Lauf:
www.kaernten.at/de/articles/view/1620
www.gps-tour.info/de/touren/detail.32879.html
http://www.reinhardhuber.blogspot.co.at/2012/04/vier-berge-52-kilometer-und-2500_22.html


Sonntag, April 22

Vier Berge, 52 Kilometer und 2.500 Höhenmeter!

Zugegeben, die in der Überschrift angegebenen Streckenangaben variieren, je nachdem, welcher Weg gewählt wird, der nicht immer gleich verläuft. Die Geschichte handelt vom Vier-Berge-Lauf:
"Der Vierbergelauf ist eine um 1500 erstmals beschriebene Wallfahrt über den Magdalensberg, Ulrichsberg, Veitsberg und Lorenziberg rund um St. Veit. Sie findet am „Dreinagelfreitag“ (benannt nach den drei Nägeln, mit denen Jesus ans Kreuz geschlagen wurde), dem zweiten Freitag nach Ostern, statt. Die über 50 km lange Strecke, die mit einer Mette am Magdalensberg beginnt, wird innerhalb von 17 Stunden zurückgelegt, wobei je nach Ausgangspunkt bis zu 2500 Höhenmeter zu überwinden sind. Tausende Teilnehmer aus ganz Kärnten, aus den anderen Bundesländern und dem benachbarten Ausland nehmen mittlerweile alljährlich an dieser traditionellen Wallfahrt teil." So stehts bei Wikipedia

Freitag, 20. April 2012: Heuer gehe ich das elfte Mal und wie immer alleine. Der Grund liegt darin, dass aus meiner Familie niemand daran teilnimmt und man unterwegs sowieso immer wieder auf nette Menschen trifft, mit denen man plaudern kann. Nachdem ich aber beruflich sehr viel mit Menschen zu tun habe und dabei auch viel reden muss, genieße ich gerne die Stille des Alleinseins. Ich will stehen bleiben, Messen besuchen, beten, rasten - wann immer mir danach ist. Eile ist hier fehl am Platz!

Trotzdem, es fällt auf, dass immer mehr Menschen den Vier-Berge-Lauf komplett falsch verstehen, der eigentlich Vier-Berge-Marsch heißen müsste. Eine liebe Bekannte, die ich nach Jahren hier traf meine dazu auf Facebook: "Es gibt mehr Menschen als man glaubt, die das Wort VierbergeLAUF wortwörtlich nehmen, und den Genuss des Gehens verabsäumen". Sie werden's nie verstehen, jene die den Marsch bereits ab 22:00 Uhr beginnen, um ja früh genug am Ziel zu sein. Die die Natur nicht hören und spüren und natürlich auch nicht diese einzigartige Stimmung mitnehmen. Wo ist da die innere Einkehr, das Innehalten, die Ruhe und Besinnung?

Weitere Fotos im Link ganz unten!
Egal! Diese traditionelle (aber von niemandem organisierte) Veranstaltung beginnt bei der Kirche am Magdalensberg (1.059 m), nach der Mitternachtsmesse, der ich heuer erstmals beiwohnte. Ein schöner Beginn! Dann Abmarsch mit den Kreuzträgern so gegen 00:45 Uhr.

Es geht also schnellen Schrittes den Berg hinunter, auf gleicher Höhe mit den Kreuzträgern, begleitet von den Gebeten der Vorbeter. Einige Stunden dauert es, bis man im Tal ist. In tiefer Dunkelheit wird das Zollfeld überquert, bevor es weiter geht, hinüber hinüber nach Pörtschach am Berg. Hier treffe ich meinen Lauffreund Fritz, mit seiner Frau Lisa. Ich gehe mit in die Kirche, die bald voll ist und nehme auch hier an der Messe teil. Schön wenn man erlebt was sonst sehr selten vorkommt. Alle beten und singen mit! Dann der Anstieg auf den Ulrichsberg (1.022 m), der aus meiner Sicht der schwierigste Teil. Steil, sehr steil, geht es das letzte Stück hinauf. So gegen 6:00 Uhr früh bin ich dann oben und erlebe den Sonnenaufgang, mit Blick auf Klagenfurt. Eine kurze Pause. Teile der Bekleidung werden gewechselt und eine Stärkung eingenommen.

In Karnberg angekommen verbleibe ich ein wenig bei der Bischofsmesse. Mein jährlicher Fixpunkt! Schön und stimmungsvoll! Leider kann ich nicht bis zum Ende dabei bleiben, denn die verzweifelte Suche nach einem rettenden Gebüsch hat in diesem Moment Vorrang!

Erleichtert gehe ich weiter bis Zweikirchen, die ersten Kinder warten auf die Süßigkeiten, die die Pilger in ihre Körbe werfen. Vor Zweikirchen wartet der Pfarrer auf die Kreuzträger zum „Kreuz-Küssen" und um diese zur Kirche zu begleiten. Ich bleibe nicht stehen, gehe weiter über den Glantalboden. In St. Leonhard wird man von Hermine Wechs guten Puten-Leberkäs-Semmeln gelebt, dazu gibt's ein gutes Hirter-Bier-Fläschchen. Das alles kostenlos! Danke!

Das beeindruckende Höhenprofil des Vier-Berge-Laufs
Weiter geht's den Kulm hinauf und weiter nach Limberg, meiner nächsten Rast. Es gibt eine Fritattensuppe im Becher. Im Gasthaus würde ich sie zurückschicken, hier schmeckt sie. Vor mir der gefürchtete Veitsberg (1.171 m). Durch unwegsames Gelände hinauf erreichen wir die „Blutwiese", an der bei höheren Temperaturen schon so mancher Wanderer verzweifelte. Ich leg mich hin, geniesse die wenigen Sonnenstrahlen des heutigen Tages, aber auch die Pilger, die schon ein wenig gezeichnet vorbeiziehen. Ich höre schon das Glockengeläut des Kirchleins, welches man dreimal umrundet. Dann geht man hinein, läutet dreimal, äußert still einen Herzenswunsch und geht weiter, wie ich auch!

Weiter ziehe ich die „Hölle" hinunter nach Gradenegg. Das Wetter ist angenehm und trocken. Sörg ist endlich in Sicht. Unterwegs versorgen Bauern die Pilger mit Kuchen, Reindling und Getränken. Fröhliche Stimmung bei den Pilgern. Ich bleib in Sörg nicht stehen, ziehe weiter Richtung Lorenziberg, der niedrigste und zugleich letzte der vier Berge. Wenige Höhenmeter, aber es zieht sich ordentlich!

Nach einem langen Weg höre ich bereits das Glockengeläut vom Lorenziberg (971m). Das Ziel ist erreicht. Kurzes Innehalten, ein letztes Gebet, dann gehe ich den Berg hinunter, wo Elisabeth auf mich wartet und mich nach Hause führt. Glücklich, erleichtert und etwas müde geht's zu Hause unter die Dusche. Gedanklich bin ich schon beim Vier-Berge-Lauf 2013 ...!

Bericht des ORF in Kärnten heute:


Weitere Links:
- Meine Fotoserie zum 4BL 2012
- Vier-Berge-Lauf
- Kleine Zeitung zum Vier-Berge-Lauf 2012
- Anton Wieser's Fotodokumentionen
- Thomas Dopplers GPS Dokumentation (Strecke, Höhenmeter)
- meins.tv, Video von 2010

Sonntag, April 6

Vier-Berge-Lauf 2008

Wikipedia schreibt zum Vier-Berge-Lauf folgendes: „Der Vierbergelauf ist eine 1578 erstmals beschriebene Wallfahrt über den Magdalensberg , Ulrichsberg, Veitsberg und Lorenziberg rund um St. Veit. Sie findet am „Dreinagelfreitag" (benannt nach den drei Nägeln, mit denen Jesus ans Kreuz geschlagen wurde), dem zweiten Freitag nach Ostern, statt. Die über 50 km lange Strecke, die mit einer Mette am Magdalensberg beginnt, wird innerhalb von 17 Stunden zurückgelegt, wobei je nach Ausgangspunkt bis zu 2500 Höhenmeter zu überwinden sind.
Die Wallfahrer nehmen unterwegs an insgesamt fünf Messen und drei Andachten teil und sammeln dabei verschiedene Grünpflanzen (Bärlapp, Buchsbaum, Efeu, Fichte, Immergrün, Wacholder) für den Herrgottswinkel und beschenken am Wegrand sitzende Kinder mit Süßigkeiten.
Tausende Teilnehmer aus ganz Kärnten, aus den anderen Bundesländern und dem benachbarten Ausland nehmen mittlerweile alljährlich an dieser traditionellen Wallfahrt teil."

Ich beginne meinen Vier-Berge-Lauf (Fotos hier), wie es sich gehört, nach der Mitternachtsmesse beim Kirchlein neben dem Skorianz am Magdalensberg. Das heisst Abmarsch mit den Kreuzträgern so gegen 00:45 Uhr. Natürlich kann man auch bereits ab 12:00 Uhr beginnen, denn die Wartezeit kann bei tiefen Temperaturen, wie diesmal, lange werden. Viel früher sollte es aber nicht sein, wie dies aber Jahr für Jahr trotzdem tausende tun! Schade, denn es handelt sich ja nicht um einen Wettbewerb!

Es geht also schnellen Schrittes den Berg hinunter, begleitet von den Gebeten der Vorbeter. Man glaubt gar nicht wie lange der Weg bis zum „Fleissner" ist, der ersten Rast. Dort warten auch schon die ersten Taxis, die auch genutzt werden. Ich mavche eine kurze Pause, esse mein erstes Brot.

Dann übers Zollfeld hinüber nach Pörtschach am Berg. Mein Fuss schmerzt, ich denke ans Aufhören, da sich meine Achillessehnen-Verletzung bemerkbar macht. Taxis warten auch hier, ich gehe hin, wieder zurück, wieder hin. Dann gehe ich weiter. Wird schon gehen, denke ich mir! Der Anstieg auf den Ulrichsberg ist aus meiner Sicht der schwierigste. Steil, sehr steil, geht es das letzte Stück hinauf bis man endlich oben ist. Üblicherweise ziehe ich mich das erste Mal um, diesmal nicht, es ist bitter kalt. Weiter geht's, den Berg hinunter. Achilles macht sich bemerkbar, ans Aufhören denke ich nicht mehr!

In Karnberg angekommen warte ich auf die Bischofsmesse. Mein jährlicher Fixpunkt! Schön und stimmungsvoll!

Ich gehe weiter bis Zweikirchen, die ersten Kinder warten auf die Zuckerln. Vor Zweikirchen wartet der Pfarrer auf die Kreuzträger zum „Kreuz-Küssen" und im diese zur Kirche zu begleiten. Ich bleibe nicht stehen, gehe weiter über den Glantalboden. In St. Leonhard wird man von Hermine Wechs guten Puten-Leberkäs-Semmeln gelebt, dazu gibt's ein gutes Hirter-Bier-Fläschchen. Das alles kostenlos! Danke!

Ich steig den Kulm hinauf, treff ein paar Freunde, ratsch ein wenig und komm dann nach Limberg, meiner nächsten rast. Es gibt eine Fritattensuppe im Becher. Im Gasthaus würde ich sie zurückschicken, hier schmeckt sie ausgezeichnet. Nach einer Fusspflege und kurzen Rast geht es den steilen Veitsberg hinauf. Endlich erreichen wir die „Blutwiese", die ich als sehr angenehm empfinde. Ich leg mich hin, geniesse die wenigen Sonnenstrahlen des heutigen Tages, aber auch die Pilger, die schon ein wenig gezeichnet vorbeiziehen. Ich höre schon das Glockengeläut des Kirchleins, welches man dreimal umrunden soll. Dann geht man hinein, läutet dreimal, äussert einen Wunsch und geht weiter, wie ich auch!

Weiter ziehe ich die „Hölle" hinunter nach Gradenegg. Das Wetter ist vorwiegend kalt, aber trocken. Einmal die Jacke aus, dann wieder an. So geht es den ganzen Tag. Sörg ist endlich in Sicht. Unterwegs warten die Bauern mit liebevoll vorbereiteten Labestationen. Fröhliche Stimmung bei den Pilgern. Ich bleib in Sörg nicht stehen, ziehe weiter Richtung Lorenziberg, dem niedrigsten von allen. Wenige Höhenmeter, aber es zieht sich ordentlich!

Nach einem langen Weg (ca. 52 km) und vielen Höhenmetern (die Angaben schwanken zwischen 2.000 bis 2.500 HM) höre ich bereits das Glockengeläut vom Lorenzberg. Das Ziel ist erreicht. Kurzes Innehalten, ein letztes Gebet, dann gehe ich den Berg hinunter, wo Elisabeth auf mich wartet und mich nach Hause führt. Dort wartet die Badewanne auf mich. Ich denke zurück an die schönen Stunden und werde erst munter als das Wasser schon ziemlich kalt ist ......